Das Herkules-Projekt

Als vor zirka 15 Jahren mein Interesse an Computerliteratur geweckt wurde, waren viele Themen, die mich ansprachen, noch echte (Science-)Fiction. Hacken, Cyberspace, Dystopien – all das war noch lange nicht in Realität absehbar und so konnten daraus noch spannende und phantastische (im wahren Sinn des Wortes) Geschichten, ja Welten, erdacht werden. Im Lauf der folgenden Jahre aber wurde aus Fiction mehr und mehr Realität, so dass die Inhalte der entsprechenden Literatur für mich zwar immer noch lesenswert waren, aber mehr der Spannung wegen und nicht mehr um die Phantasie anzuregen. Hacken wurde immer normaler und verkam zu „3 Klicks – Access granted“, Dystopien sind seit immer datenhungrigeren Geheimdiensten auch keine echte Fiction mehr, alleine Cyberspace war lange Zeit abgetaucht, dank VR-Smartphones und Siri/Cortana scheint aber eine Renaissance bevorzustehen.

So boten sich mir in den letzten Jahren zwar spannende Hightech-Thriller, aber dieses Wow-Gefühl wollte sich lange nicht mehr einstellen.

Bis mir das „Herkules-Projekt“ von Markus Hammerschmitt auf den Reader kam.

Hier bot sich endlich einmal wieder diese Gedankenwelt von echter technischer Zukunft gepaart mit klassischer dystopische Gesellschaft. „Rebellen“, die technische Weiterentwicklungen nutzen, um einem totalitären Staatsapparat eine Naselänge voraus zu sein und „ihr Ding“ machen zu können, ihre Daten illegal weitergeben zu können (Johnny Mnemonic pur, William Gibson in Reinkultur).

Das Setting hat also gepasst und so habe ich Kapitel um Kapitel gelesen und mich in der Gedankenwelt wohlgefühlt. Allerdings war dieses Gefühl dann auch etwas zu schnell vorbei, die Erzählung folgte recht straight dem Handlungsfaden, detailreiche Beschreibungen (Stephenson oder Gibson), die zu einer weitergehenden Beschäftigung mit dieser Welt eingeladen hätten, fehlten.

 

Mein Fazit: Gelungenes Buch zum Thema Dystopie, nicht so philosophisch wie die Werke William Gibsons aber im Einklang dazu.
Wer kein Faible für diesen Literaturstil hat, wird sicher nicht warm mit der Thematik, spielt doch nicht unbedingt realistische Hightech- oder Action-Beschreibung die Hauptrolle.

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